DIE GESCHICHTE DER WEINREBE


Geschichte und Aufbau des Weinbaugebiets
Schon im 6. Jahrhundert v. Chr. gelangen erste Rebstöcke nach Gallien, eingeführt von den Griechen. Ungefähr um 50 n. Chr. beherrscht die Bourgogne den Anbau und produziert Weine, die den Italienern Konkurrenz machen. In Gevrey-Chambertin, am Lieu-dit „Au-dessus de Bergis“, wurden die ältesten Spuren von Weinanbau entdeckt, die aus der Zeit Ende des 1. Jahrhunderts stammen. (Lieu-dits sind Parzellen von besonderer topographischer oder historischer Bedeutung).
Im Mittelalter
Besiedelung der Berghänge und Entstehung der Clos

Im 6. Jahrhundert beginnen die Reben ihren Eroberungszug die Berghänge hinauf und verlassen die gallo-romanischen Villen in den Ebenen. Diese Siedlungsbewegung erfährt im 6. Jahrhundert eine intensive Unterstützung seitens der burgundischen Gesetzgebung, die jeden zum Grundbesitzer macht, der Brachland mit Weinstöcken bepflanzt. Erste Clos entstehen: Die Weinparzellen werden von Trockensteinmauern umfriedet, deren obere Steinreihen leicht geneigt sind, um das Regenwasser besser abfließen zu lassen. Sie sollen die Reben schützen, besonders vor frei umherstreifenden Tieren. Gleichzeitig dienen die Mauern als Eingrenzung von Parzellen, die Privatpersonen, der Kirche, den Burgund-Herzögen oder den französischen Königen gehören. Die berühmtesten Clos: Clos de Bèze in Gevrey-Chambertin, Clos de Tart in Morey-Saint-Denis, Clos de Vougeot, Clos de Saint-Vivant in Vosne-Romanée.

Der Clos de Bèze
Ältester Clos im Burgund

Seine Geschichte beginnt im Jahr 630 mit der Gründung der gleichnamigen Abtei (Saint-Pierre de Bèze, 30 km nordöstlich von Dijon). Wie aus Schriften hervorgeht, überschreibt der Burgunder Herzog Amalgaire den Mönchen des Klosters Land und Rebstöcke. Aber erst im 13. Jahrhundert erreicht die Parzelle ihre heutige Ausdehnung von 15 ha.

Der Clos de Vougeot
Der Spitzenreiter der Côte de Nuits

Die 1098 von den Cîteaux-Mönchen erbaute Abtei erhält ab 1112-1115 durch Schenkungen mehrere Parzellen und einen kleinen Keller. Der heute existierende Clos wird erstmals 1212 erwähnt. Durch Zukäufe und Tauschgeschäfte erzielen die Mönche das Monopol für den Clos. Um zwei Innenhöfe herum werden Gebäude errichtet, die sowohl als Unterkünfte wie auch als Arbeitsstätten für die Laienbrüder dienen. Der große Keller und der Schlafsaal stammen vom Ende des 12. Jahrhunderts. Die heutige Küferei ist ein Wiederaufbau aus den Jahren 1476-1477. In der Renaissance entstehen die beiden Flügel des Châteaus, die von der Straße aus sichtbar sind. So wird aus dem Landwirtschaftsgebäude ein Prestigelandsitz für die Äbte von Cîteaux.

Vom Mittelalter bis zur Moderne
Die Entstehung eines Weinbaugebiets 

Gegen Ende des Mittelalters verbünden sich geistliche und weltliche Kräfte, um die Praktiken und den Ruf der Burgunderweine zu optimieren. 1375 erlässt Philippe der Kühne ein Dekret, das den Anbau von Gamay verbietet und stattdessen den qualitativ höherwertigen Pinot Noir fördert. 1416 grenzt ein Edikt von König Karl VI. die Produktionsmenge der Burgunderweine zwischen Sens und Mâcon ein. Mit der 1720 erfolgten Gründung des ersten Handelshauses für Burgunderweine, dem Maison Champy in Beaune, verändert sich das Gesicht des Weinbaus nachhaltig. Eine Entwicklung, die bis heute Bestand hat. 1847 gesteht Louis-Philippe dem Ort Gevrey das Recht zu, an den Namen der Gemeinde den Namen seiner berühmten Lage „Chambertin“ anzuhängen. Diesem Beispiel folgen bald Chambolle-Musigny, Morey-Saint-Denis, Vosne-Romanée … 1855 erstellt der Wissenschaftler und Mediziner Jules Lavalle in seiner „Histoire et statistique de la vigne et des grands vins de la Côte-d’Or“ eine hierarchische Aufstellung der Burgunderweine. Darin zeichnen sich vier Qualitätsklassen ab: Tête de cuvée Romanée-Conti, Clos Vougeot, Chambertin und Chambertin Clos de Bèze...,Weine der Première Cuvée, Weine der Deuxième Cuvée, Weine der Troisième Cuvée.

Der Neuzeit
Die Veränderungen

Im 19. und 20. Jahrhundert erfährt der Weinbau tiefgreifende Veränderungen. 1875 fällt die Reblaus in der Bourgogne ein, die die Wurzeln der Rebstöcke befällt und sie vernichtet. Ab 1888 beginnt man mit dem Aufpfropfen französischer Rebstöcke auf amerikanische Pflanzen, die widerstandsfähiger gegen diesen Schädling sind. Das Aussehen der Weinberge verändert sich komplett: Die Reben werden ab sofort in geraden Reihen angepflanzt, was eine Mechanisierung der Vorgänge erleichtert und die uralten Methoden schrittweise abbaut. Unlautere Praktiken aufgrund mangelnder Regeln über die Herkunft der Weine, der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise von 1929 führen zur Einführung der „Appellationen“ genannten kontrollierten Herkunftsbezeichnungen. 1919 entstehen die ersten Herkunftsbezeichnungen, am 30. Juli 1935 führt ein Dekret vier AOC (Appellations d‘Origines Contôlées = kontrollierte Herkunftsbezeichnungen) ein: die regionale Appellation, die kommunale Appellation, die Appellation Premier Cru, die Appellation Grand Cru.

Die Bourgogne
Weltweite Referenz für Terroir-Weinbau

Seit 2000 Jahren baut der Mensch Reben an und setzt zunehmend auf eine enge Verbindung zwischen dem Wein und dem Ort, an dem er heranwächst. So wird die Identität des Weins ganz eng mit seiner Herkunft verknüpft. Das daraus entstandene erstaunliche Mosaik aus über 1000 Climats (der burgundische Begriff für Lagen) macht das Burgund zur weltweiten Referenz für Terroir-geprägten Weinanbau. Am 4. Juli 2015 erfährt dieses von den Mönchen, den Burgund-Herzöge, den Händlern und den Winzern geprägte Erbe eine hohe Anerkennung: die Aufnahme der Climats des burgundischen Weinlands in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.